Zitat: “Positionspapier 16/229: Chemie und Umweltgesundheit, Bündnis 90/Die Grünen”

Zitat: “1.1 Wenn Umwelt krank macht

Uns treibt die Sorge um die Zunahme vieler Krankheiten wie Krebs, Allergien, Herz- Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Eine Ursache könnte im tagtäglichen Umgang der Menschen mit Produkten, Werkstoffen und Konsumgütern liegen, die aus einer Vielzahl chemischer Substanzen bestehen. In vielen Fällen ist gänzlich unbekannt, welche Chemikalien in welchen Produkten enthalten sind.

Schädliche Chemikalien können sich in natürlichen Stoffkreisläufen anreichern und belasten am Ende der Nahrungskette Tier und Mensch. Die große Wissenslücke über die Wirkungen chemischer Stoffe auf Mensch und Umwelt bedeutet gleichzeitig Unkenntnis möglicher Gesundheitsgefährdungen. Zahlreiche Studien belegen eine toxische Wirkung bestimmter Chemikalien. Gerade aber Niedrigdosen sind hinsichtlich ihrer toxischen Auswirkungen und Kombinationswirkungen nicht erfasst. Eine Ignoranz dieses Gefahrenpotentials ist mit dem Anspruch eines vorsorgenden Umwelt und Gesundheitsschutzes nicht vereinbar.

Es bestehen erhebliche Lücken in der Chemikaliensicherheit. Die Deutsche Umwelthilfe hatte 2006 in mehreren Säften Verunreinigungen durch die Druckchemikalie Isopropylthioxanton (ITX) gefunden. Auch in der Erfassung von Antibiotikarückständen bestehen erhebliche Lücken. Wissenschaftler der Uni Paderborn hatten den Weg von Tiermedikamenten untersucht und zum ersten Mal entsprechende Antibiotika in Salat und Weizen nachgewiesen, nachdem Versuchsfelder mit der Test-Gülle gedüngt wurden. Mit trauriger Regelmäßigkeit erreichen uns Berichte über neue Giftfunde. Letztmalig im November 2008 warnte Greenpeace vor dem Verzehr von frischen Kräutern, Obst und Salat wegen gesundheitsschädlicher Pestizidbelastung.

Für Pestizide sind nach der neuen EU-Verordnung vom Januar 2009 noch 97 verschiedene Substanzen zugelassen. [3] In den für Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sind derzeit 252 Wirkstoffe enthalten. Mit unserem Ziel des ökologischen Landbaus werden Pestizide überflüssig gemacht. Solange die Agrarwende nicht erreicht ist, sind Pestizide in Nahrungsmitteln, Wasser und Boden zu finden.

Ein großes Problem sind persistente, meist fettlösliche giftige Kohlenwasserstoffverbindungen, die als Insektizide eingesetzt werden, die mit ihrer neurotoxischen Wirkung in Kleidung aber nichts zu suchen haben. Auch in der EU verbotene Stoffe gelangen über die aus gespritzter Baumwolle produzierte Kleidung so in unsere Haut und den Stoffwechsel. Ein gemeinsames Zertifikat für in die EU eingeführte Textilien oder Stoffe, das sich an die Zertifizierung des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN) anlehnt, könnte ein Anreiz für die produzierenden Länder sein auf den Einsatz in der EU verbotener Pestizide zu verzichten. Das wäre auch ein notwendiger Beitrag zum Arbeitschutz in diesen Ländern.

[3] vgl. COMMISSION REGULATION (EC) No 149/2008, mit der Zustimmung des Europaparlamentes zur Pestizid-Verordnung vom 13.01.2009 werden Substanzen, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fruchtbarkeit mindern können, bis 2018 nach und nach vom Markt genommen.

Quelle und (c): http://www.umweltrundschau.de/cms/files/298292_reader_chemie_und_umweltgesundheit.pdf

Der komplette Text ist von der Webseite des IVU e.V., dem Internationalen Verein für Umwelterkrankte e.V. zitiert und ist im Original zu finden unter: http://ivuev.org/umwelterkrankte

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